Erfreuliches und Tragisches

Die Grundsteinlegung zum neuen Frauenspital, drei grosse neue Patientenzimmer im 1.Sock des alten Gebäudes, neue Maschinen, Verteilung von Rollstühlen, Health-Camps: das alles ist sehr erfreulich. Aber es gab auch sehr tragische Ereignisse: Niswarth, unser Mitarbeiter im Rollstuhl, hat Mutter und Vater durch einen Töffunfall verloren; dann sind in einer armen Familie kurz hintereinander Mutter und Vater an TBC gestorben und haben eine 8-köpfige Schar von Kindern und Enkeln hinterlassen.

Endlich hat Ende März mit einer langen Zeremonie die Grundsteinlegung zum neuen Frauenspital stattgefunden.

Und wir konnten die neue HS 40 Samsung Ultraschallmaschine dem Chefradiologen Dr. Gopal übergeben.

Im neu errichteten 2.Stock des alten Gebäudes haben wir drei Patientenzimmer eingerichtet, Frauenzimmer, Männerzimmer, Kinderzimmer. Kurt Janser hat zusammen mit den Putzfrauen alle Zimmer sauber gereinigt und die Betten aus dem Container montiert.

Wiederum haben wir viele Rollstühle verteilt, an zwei CP Mädchen und mehrere behinderte Erwachsene.

Im März haben wir zwei Health-Camps in den entlegenen Bergen gemacht. Unsere Volontäre Trudy, Ingrid und Kurt waren dabei sehr aktiv im Verteilen von Kleidern und Spielsachen und es haben jeweils auch zwei nepalesische Ärzte mitgearbeitet.

Niswarth, unser Mitarbeiter im Rollstuhl, hat schon viele Monate mit rezidivierenden Urininfekten und zunehmendem Nierenversagen zu kämpfen. Seit längerem haben wir ihm empfohlen, mit Dialyse anzufangen. Dann hat er vor 10 Tagen Mutter und Vater durch einen Töffunfall verloren. Und seine Gesundheit war rapid schlechter geworden. Drei Tage nach dem Todesfall musste ich ihn notfallmässig mit der Ambulanz nach Kathmandu in ein spezialisiertes Nierenzentrum bringen. Unterwegs war dann auch noch ein Reifenwechsel nötig. Schon am zweiten Tag hat er seine erste Dialyse erhalten und langsam geht es ihm besser. Ich habe ihn vier Tage in KMD betreut und bin jetzt wieder in Ratnanagar. Niswarth wird noch eine Weile im Spital bleiben müssen.

Wegen der schlechten Gesundheitsversorgung in Nepal gibt es immer wieder tragische Familienschicksale: In einer armen Familie aus den umliegenden Hügeln sind kurz hintereinander Mutter und Vater an TBC gestorben und haben eine 8-köpfige Schar von Kindern und Enkeln hinterlassen. Der älteste Sohn ist erst 22- jährig, ist verheiratet und hat schon einen kleinen Sohn. Wir haben alle untersucht und glücklicherweise konnten wir bei ihnen keine Ansteckung nachweisen. Wir konnten die weitere Betreuung dieser Familie an ein niederländisches Hilfswerk übergeben, welches in Sauraha ein Waisenheim aufgebaut hat.

Am 8.März, dem internationalen Frauentag, sind wir Volontärinnen zu einer grossen Feier in die Little Flower School eingeladen worden und haben ebenfalls einen Preis erhalten.

Jetzt haben wir wieder alle drei VolontärInnen verabschiedet und ich werde allein noch bis Ende April hier arbeiten.

 

Schon ist ein Monat seit unserer Ankunft vorbei. Wie immer werden wir von unseren Nachbarn herzlich begrüsst und die Kinder warten ungeduldig bis ich meinen Koffer ausgepackt habe. Sie wissen, dass ich immer etwas für sie mitbringe. Diesmal hatte ich Plüschtiere und Süssigkeiten und sie strahlten.

Bald haben wir angefangen, den Container zu entladen. Die jungen Studenten des Navodaya Internats haben uns geholfen, die schweren Sachen ins Spital zu bringen. Als Dank habe ich ihnen nachher die orangen T-Shirts, ein Überbleibsel eines Sportanlasses in Liestal geschenkt, dazu einige gebrauchte Fussbälle. Sie waren überglücklich.

Schon in der ersten Woche haben wir das bestandene Abschlussexamen von Dr. Pryanka feiern können (stehend, neben ihr Dr. Manoj, unserem 2.nepalesischen Dermatologen).

Im Container haben wir auch viele Rollstühle mitgebracht. Einen davon hat Dr. Jürgen Grabbe für Roshani hergerichtet. Sie ist eines der von uns unterstützten CP-Mädchen. Sie macht schon erfreuliche Fortschritte mit der Physiotherapie.

In der zweiten Woche haben wir mit den Health Camps angefangen. Die abgelegenen Dörfer waren während der Coronakrise lange abgeschnitten und konnten nur sehr schwierig einen Health Post oder das Spital erreichen. Wir waren drei Ärzte und drei Pflegefachfrauen und konnten neben den medizinischen Behandlungen auch viele Spielsachen und Kleider verteilen. Den Wanderarbeitern, welche auch in der Kälte nur in Zelten unterwegs sind, haben wir warme Wolldecken gebracht.

Die Bauarbeiten im 2.Stock des alten Spitalgebäudes sind nun in der Endphase. In der Neugeborenenstation stehen schon die Wärmebetten und einige Schachteln mit den Ventilatoren und anderem neuen Material. Der neue Operationssaal wird schön, gross und hell. Dazu gibt es zwei Postoperationsräume und drei gewöhnliche Patientenzimmer. Alle haben je acht Betten. In einem der Zimmer haben wir schon Material aus dem Container gelagert, welches wir dann in den Zimmern verteilen, sobald alles definitiv geputzt ist.

 

Abschied von Jürgen und Beate Grabbe. Sie waren einen Monat hier und haben so viel bewirkt. Jürgen ist Dermatologe und hat viel in der Dermatologie Abteilung geholfen. Er ist aber auch Meister im Reparieren und hat so manches geflickt und zusammengebaut. Beate hat ebenfalls in der Dermatologie und auch mit den Putzfrauen zusammengearbeitet. Immer von Neuem müssen wir sie anleiten, dass sie einigermassen nach unserem Wunsch putzen. Von der Abschiedstorte wird immer zuerst das Gesicht geschmückt. Wir werden Jürgen und Beate sehr vermissen.

Die zweite Corona-Welle hat Nepal seit Ende April immer noch fest im Griff, seit Monaten gibt es keine Impfstoffe und die Infektionszahlen und Todesfallzahlen bleiben hoch. Das Leid und die Not vieler Menschen sind bedrückend, die Arbeitslosenzahl wächst und der Hunger nimmt zu. Der harte Lockdown wurde zwar nach drei Monaten etwas gelockert, aber es gibt keine Arbeit, es kommen keine Touristen.

Seit Ende Juni haben erneut heftige Monsunstürme viele Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst und viel Zerstörung angerichtet. Viele Familien haben dabei alles verloren. Doch vom Staat erhalten sie keine Hilfe und Versicherungen gibt es auch nicht.

 

Doch zunächst will ich über einige erfreuliche Nachrichten berichten:

  • Den beiden Buben Sudip und Sundar geht es besser. Sudip hatte seit Herbst 2019 mehrere wenig erfolgreiche Operationen. Der Knochen ist noch immer nicht stabil zusammengewachsen. Doch wenigstens hat er jetzt einen Gehgips bekommen. Das gebrochene Bein von Sundar ist gut geheilt und letzte Woche konnte der Gips wieder entfernt werden.

  • Für die Covid Notfälle konnten wir einen Oxylog-Beatmungs-Apparat mit Zubehör nach Nepal schicken per DHL Transport.

  • Vor einer Woche ist die Physiotherapie-Station eröffnet worden. Es ist einer der grössten Räume im 2.Stock des Neubaus. Eine Physiotherapeutin und ein Physiotherapeut sind angestellt. Das Mobiliar konnte teilweise von SMN gespendet werden. Diese Station ist sehr wichtig, leiden doch sehr viele PatientInnen auf Grund der harten Arbeit an chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen, welche bisher nur mit Tabletten behandelt worden sind.

  • Der Ausbau des 1.Stocks im alten Gebäude geht voran.

  • Der Schindler Lift im Neubau konnte leider im April nicht fertig gestellt werden, da die Ingenieure aus Indien an Covid erkrankt waren und nicht einreisen durften. Immerhin ist inzwischen der Elektrizitätsanschluss eingebaut und die Aussenverkleidung der Lifteingänge mit Marmorplatten fertig gestellt. Und ich kann nur hoffen, dass die Ingenieure für den Fertigbau des Lifts endlich kommen.

  • Ab Mai hat uns auch dieses Jahr wieder die grosse Not wegen der Arbeitslosigkeit und des zunehmenden Hungers gefordert. Und ab Ende Juni haben dann der einsetzende Monsun, die Überschwemmungen und die Erdrutsche die Situation noch zusätzlich verschlimmert. SMN hat seit anfangs Juni die Kosten für 20 Hilfscamps übernommen, das kostete bisher rund 80’000 CHF:
    • Father Michael mit seinem Team hat bereits 18 Camps in den abgelegenen Dörfern gemacht, Devendra und sein Team haben zwei Camps in verschiedenen Dorfteilen von Ratnanagar gemacht.
    • Jede Familie erhält 30 kg Reis, 3 kg Linsen, 3 Seifen, 5 Masken und für die Kinder gibt es zusätzlich je einen Sack mit Äpfeln, gekochten Eiern und etwas Süssigkeiten.
    • Das Budget 2021 für Hilfscamps ist bereits aufgebraucht, doch noch immer erhalten wir Hilferufe aus vielen Dörfern, welche wir bisher noch nicht berücksichtigen konnten. Deshalb sind wir erneut auf Spenden angewiesen.

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